Gerade für Frauen ist Überkopfdrücken eine ideale Übung, um einen starken Oberkörper, Stabilität und eine aufrechte Haltung zu entwickeln.
Summary
- Schwierigkeitsgrad: Anfänger bis Fortgeschrittene
- MET-Wert: 4–5
- Hauptregion: Schultern
- Equipment/Hilfsmittel: Kurzhanteln, Langhantel oder Maschine
Was ist Overhead Press und warum ist Überkopfdrücken so effektiv?
Beim Überkopfdrücken (Overhead Press, kurz OHP) drückst du ein Gewicht kontrolliert über den Kopf. Diese Bewegung wirkt simpel, fordert aber mehrere Muskelgruppen gleichzeitig und verlangt eine stabile Körperspannung.
Oft wird die Übung auch als Schulterdrücken bezeichnet. Gemeint ist damit meist jede Form von Druckbewegung über Kopf – der Begriff ist also eher ein Sammelbegriff für verschiedene Varianten. Das klassische Überkopfdrücken beschreibt dabei die freie Ausführung mit Langhantel oder Kurzhanteln.
Davon zu unterscheiden ist die Schulterpresse: Sie wird meist an der Maschine ausgeführt und führt die Bewegung vor. Dadurch ist sie besonders für Einsteiger geeignet, fordert aber weniger Stabilisation.
Der große Vorteil des Überkopfdrückens: Du trainierst nicht nur deine Schultern, sondern auch Trizeps, oberen Rücken und deinen Core. So baust du funktionale Kraft auf, die sich direkt auf Alltag und andere Übungen überträgt.
Diese Muskeln werden beider Overhead Press beansprucht

Beanspruchte Muskeln beim Schulterdrücken (Overhead Press).
Beim Schulterdrücken ist der Deltamuskel der Hauptakteur, wobei der Fokus auf dem vorderen und seitlichen Anteil liegt. Die hintere Schulterpartie wirkt hierbei unterstützend und stabilisierend. Der gesamte Schultergürtel wird so geformt und gekräftigt.
- Deltamuskel (M. deltoideus): Besonders die vordere (Pars clavicularis) und seitliche Partie (Pars acromialis) leisten die Hauptarbeit. Die hintere Schulter und die Rotatorenmanschette wirken dabei stabilisierend auf das Gelenk.
- Trizeps: Unterstützt aktiv beim Strecken der Arme über den Kopf.
- Oberer Rücken (Trapez, Rhomboiden): Stabilisiert die Schulterblätter und ermöglicht eine kontrollierte Auf- und Abbewegung.
- Brust (obere Anteile): Wird insbesondere beim Start der Bewegung aus der unteren Position mitaktiviert.
- Core (Rumpfmuskulatur): Stabilisiert die Wirbelsäule statisch und verhindert ein Ausweichen ins Hohlkreuz.
MET-Wert und Kalorienverbrauch
Mit einem MET-Wert von 4–5 gehört Überkopfdrücken zu den energieintensiven Kraftübungen. Je nach Gewicht, Trainingsstil und Körpergröße kannst du bei 10 Minuten Training 40–50 kcal verbrennen bei einem Körpergewicht von 60 kg. Besonders im Zirkeltraining oder in Kombination mit anderen Übungen wird der Kalorienverbrauch deutlich erhöht.
Funktionale Alltagsvorteile
Die Vorteile des Überkopfdrückens beschränken sich nicht auf das Fitness-Studio. Die Bewegungsmuster, die du hier trainierst, tauchen im Alltag immer wieder auf. Dinge wie schwere Einkaufstaschen ins Regal heben, Koffer in die Gepäckablage verstauen oder Kinder hochheben fallen dir mit einem kräftigen Schulter- und Rumpfapparat spürbar leichter.
Besonders wichtig ist die aufrechte Haltung, die durch regelmäßiges Schultertraining gefördert wird. Wer viel am Schreibtisch sitzt oder häufig nach vorne gebeugt arbeitet, kennt das Problem verspannter Schultern und Rundrückenhaltungen. Die Overhead Press wirkt dem aktiv entgegen, indem es den Schultergürtel stärkt und die Brust öffnet. Frauen profitieren zusätzlich davon, dass die Übung Rücken- und Nackenschmerzen vorbeugt und eine gesunde Körperstatik unterstützt.
Nachteile des Schulterdrückens
Überkopfdrücken ist technisch anspruchsvoll und erfordert eine gute Schulterbeweglichkeit sowie stabile Körperspannung. Besonders bei eingeschränkter Mobilität im Schultergelenk kann die Übung unangenehm sein oder zu Überlastungen führen. Zudem ist die Belastung für den unteren Rücken relativ hoch, da der Core dauerhaft stabilisieren muss. Für Einsteigerinnen kann die freie Variante deshalb zunächst herausfordernd sein.
Die richtige Ausführung
Die richtige Technik ist entscheidend, um Überkopfdrücken sicher und effektiv auszuführen.
Wichtig zu beachten
Stand: Stelle dich hüftbreit hin, die Knie sind minimal gebeugt ("entriegelt"), um stabil zu stehen.
Positionierung: Nimm das Gewicht auf Schulterhöhe. Die Ellenbogen sollten sich leicht vor der Körpermitte befinden (in der sogenannten Skapular-Ebene), um das Schultergelenk zu schonen. Richte deinen Blick geradeaus oder minimal nach oben. Vermeide es, den Kopf krampfhaft in den Nacken zu legen, wenn das Gewicht nach oben wandert. Deine Handgelenke sollten während der gesamten Bewegung stabil und gerade (gestapelt) über den Unterarmen stehen. Knicken sie nach hinten ab, entstehen unnötige Scherkräfte im Gelenk.
Spannung: Spanne Bauch und Po fest an. Ziehe die Schulterblätter aktiv nach hinten unten, um eine stabile Plattform zu schaffen. Nutze das Core Bracing: Spanne deine Körpermitte so fest an, als würdest du einen Boxhieb erwarten. Dies fixiert deine Rippen und verhindert das gefährliche Ausweichen ins Hohlkreuz.
Drücken: Drücke das Gewicht senkrecht nach oben, bis die Arme fast gestreckt sind. Die Handgelenke bleiben dabei stabil über den Ellen
Lockout: Oben kurz halten, ohne die Ellenbogen hart einzurasten. Der Kopf wird in der Endposition leicht "durch das Fenster" der Arme geschoben (nur bei der Langhantel-Variante relevant).
Absenken: Senke das Gewicht kontrolliert bis auf Schlüsselbeinhöhe ab. Atme beim Drücken aus und beim Absenken ein.
Dos und Don'ts
Die häufigsten Fehler und deren Lösung
Auch kleine Technikfehler können die Effektivität des Überkopfdrückens deutlich reduzieren und das Verletzungsrisiko erhöhen. Achte besonders auf die folgenden Punkte:
Checkliste für Anfänger
Bevor du mit dem Satz startest, gehe im Kopf diese Punkte durch, um Verletzungen zu vermeiden:
- Wähle ein Gewicht, das du kontrolliert bewegen kannst.
- Halte den Core während der gesamten Bewegung aktiv.
- Vermeide ein Hohlkreuz – bleib stabil im Rumpf.
- Achte auf eine saubere, ruhige Ausführung ohne Schwung.
- Nutze zu Beginn lieber Kurzhanteln oder die Maschine.
- Trainiere vor dem Spiegel oder lasse deine Technik überprüfen.
Varianten
Es gibt viele Varianten, um Überkopfdrücken abwechslungsreich und effektiv zu gestalten:
Schulterpresse an der Maschine: Geführte Variante im Sitzen, bei der die Bewegung vorgegeben ist. Ideal für Einsteigerinnen, da die Maschine die Stabilisation abnimmt.
Überkopfdrücken mit Kurzhanteln: Freie Variante mit mehr Bewegungsfreiheit. Trainiert zusätzlich die Stabilisation und gleicht muskuläre Unterschiede aus.
Überkopfdrücken mit Langhantel (Overhead Press): Klassische Grundübung im Stehen. Ermöglicht höhere Gewichte und ist ideal für Kraftaufbau.
Sitzendes Überkopfdrücken: Variante mit weniger Core-Anforderung, da der Rücken stabilisiert wird.
Arnold Press: Dynamische Variante mit Rotation der Hanteln. Setzt zusätzlichen Reiz auf die vordere Schulter.
Übungen für zu Hause
Auch ohne Fitness-Studio kannst du Überkopfdrücken trainieren:
- Kurzhantel- oder Wasserflaschen-Überkopfdrücken: Geeignet für Anfängerinnen.
- Resistance-Band Press: Widerstandsband unter die Füße stellen, die Enden auf Schulterhöhe greifen und nach oben drücken.
- Handstand-Push-Ups an der Wand: Anspruchsvolle Variante für Fortgeschrittene.
Progressionsweg
Überkopfdrücken lässt sich hervorragend an jedes Trainingsniveau anpassen. Mit einer klaren Progression steigerst du dich Schritt für Schritt:
Level 1 – Technik lernen: Starte mit der Schulterpresse an der Maschine oder sehr leichten Kurzhanteln. Ziel: Bewegungsablauf verstehen und Stabilität aufbauen.
Level 2 – Freie Varianten: Wechsle zu Kurzhanteln oder Langhantel im Stehen. Warum: Mehr Stabilisation, mehr Muskelaktivierung.
Level 3 – Intensität steigern: Erhöhe das Gewicht und nutze Varianten wie Arnold Press. Warum: Mehr Kraftaufbau und koordinative Anforderungen.
Level 4 – Fortgeschritten: Baue Handstand-Push-ups oder Zusatzgewicht ein. Warum: Maximale Kraft, Körperspannung und Kontrolle.
FAQ: Alles, was du über Überkopfdrücken wissen musst
2–3 Mal pro Woche sind ideal, abhängig vom restlichen Trainingsplan und der individuellen Regeneration.
Ja, gerade für Frauen ist die Übung besonders sinnvoll, da sie nicht nur für Kraft sorgt, sondern auch die Haltung verbessert und den Oberkörper sichtbar definiert.
Hauptsächlich die Schultern (Deltamuskel), zusätzlich aber auch Trizeps, die obere Brust, den oberen Rücken und den Core.
Für Anfängerinnen ist die Schulterpresse an der Maschine ein guter Einstieg, da sie Sicherheit bietet. Fortgeschrittene profitieren stärker von freien Varianten des Überkopfdrückens, weil mehr Muskeln gleichzeitig aktiviert werden.
Reduziere das Gewicht, überprüfe die Technik und lege Pausen ein. Bei anhaltenden Beschwerden solltest du ärztlichen Rat einholen, bevor du das Training fortsetzt.





