Inkontinenz Das hilft gegen die lästige Blasenschwäche

Blasenschwäche? Kein Grund zur Panik! Es gibt gute Behandlungsmethoden und Maßnahmen zur Vorbeugung. © ImageFlow / Shutterstock.com

Sie müssen dauernd auf die Toilette? Oder leiden unter unfreiwilligem Urinverlust? Das lässt sich vorbeugen und behandeln. Diese Tipps stärken Ihre Blase

Den Spruch "Ich mach mich nass!" bei großem Gelächter kennen Sie sicher. Aber wenn es Ihnen tatsächlich mal passiert, finden Sie ihn nicht mehr so lustig. Es ist keine Seltenheit, dass Frauen auch jüngeren Jahrgangs beim Lachen oder Niesen merken, wie sie ein paar Tröpfchen Urin verlieren. Dahinter kann eine Blasenschwäche oder – wie die Medizinerin sagt – eine Harninkontinenz stecken. Egal wie es heißt, es ist Ihnen wahrscheinlich furchtbar peinlich. Muss es aber nicht sein.

Das ist kein Problem älterer Damen. Zwar steigt das Risiko für eine Blasenschwäche mit zunehmendem Alter, aber es sind auch junge Frauen betroffen. Etwa 25 Prozent aller Frauen zwischen 25 und 35 Jahren trifft vorübergehend eine Blasenschwäche, etwa als Folge einer Entbindung. Insgesamt leiden rund 10 Millionen Menschen in Deutschland an Inkontinenz.

Aber ein paar Tropfen Urin beim Niesen oder Lachen – bedeutet das schon, dass Sie an Blasenschwäche leiden? Jein. Laut der Internationalen Kontinenz Gesellschaft (ICS) ist zunächst jegliche Form von unwillkürlichen Urinverlust eine Inkontinenz. Urologin Prof. Dr. Ricarda M. Bauer aus München gibt jedoch Entwarnung: "Das ist sehr individuell, es geht darum, wie sehr Urinverlust Ihre Lebensqualität beeinträchtigt." Wichtig ist: Leiden Sie nicht leise vor sich hin. Unsere Expertin gibt Tipps, was Sie aktiv gegen Inkontinenz tun können, und beantwortet diese Fragen:

Um Ihre Blase zu trainieren, sollen Sie nicht gleich beim ersten Harndrang auf die Toilette gehen. © Pair Srinrat / Shutterstock.com

Welche Formen von Inkontinenz gibt es?

Bei Inkontinenz unterscheidet die Medizin zwischen vier Hauptformen:

  • Belastungsinkontinenz
    Eine Hauptform der Inkontinenz ist die Belastungsinkontinenz, auch Stressinkontinenz genannt. "Den Begriff Stressinkontinenz finde ich jedoch irreführend. Viele assoziieren damit psychotische Frauen, die unter Stress Urin verlieren", so die Urologin. In Wirklichkeit bezeichnet dieser Begriff aber einen Druckanstieg im Bauchraum, zum Beispiel durch starkes Husten oder Niesen. Dieser führt dazu, dass die Patientin Urin verliert.
  • Dranginkontinenz
    Diese Form wiederum ist tatsächlich teilweise stressabhängig und bezeichnet übermäßigen Harndrang, der plötzlich wie aus dem Nichts kommt. Sprich: Wenn Sie nicht schnell genug eine Toilette finden, kann es sein, dass Sie unkontrolliert Urin verlieren.
  • Mischinkontinenz
    Hierbei handelt es sich um eine Mischform aus Drang- und Belastungsinkontinenz.
  • Überlaufinkontinenz
    Dies ist eine sehr seltene Sonderform, die auch meist eher Männer mit einer übergroßen Prostata betrifft. Sie können aus verschiedenen Gründen ihre Blase nicht mehr wie gewohnt entleeren. Der Urin schwappt über wie Wasser aus einem vollen Waschbecken.

Welche Ursachen hat Blasenschwäche?

Alles, was Druck und Ausdehnung für den Beckenboden bedeutet, kann Belastungsinkontinenz bei Frauen auslösen. Dazu zählen Schwangerschaften, Geburten, Adipositas, chronischer Husten oder hormonelle Einflüsse, die zu einer Veränderung des Gewebes führen.

Auch Senkungen der Blase, der Gebärmutter oder des Darms haben einen negativen Einfluss auf den Beckenboden und somit auf den Schließmuskel. Operationen der Harnröhre und am Schließmuskel können ebenfalls für Inkontinenz verantwortlich sein. Das ist jedoch eine absolute Ausnahme.

Alterungsprozesse der Blase und des Gehirns sind entscheidende Faktoren für Dranginkontinenz. Neurologische Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer können zusätzlich eine Rolle spielen.

Einen großen Einfluss auf die Blase haben auch hormonelle Veränderungen. Zudem können das metabolische Syndrom, also das Zusammentreffen mehrerer Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes, gynäkologische Probleme sowie Darmoperationen für eine Blasenschwäche verantwortlich sein. Auch eine überaktive Blase ist inkontinenzfördernd.


Übrigens: Männer haben bezüglich der Inkontinenz einen Vorteil, da eine Art Pfropfen in der männlichen Harnröhre steckt, der diese verschließt. Diese Vorrichtung hat die weibliche Harnröhre nicht. Ungerecht!

Einige Lebensmittel können Blasenschwäche fördern, etwa Kaffee und Grapefruit. © Chiociolla / Shutterstock.com

Wie fängt eine Inkontinenz an?

Wenn Sie nicht nach einer Operation oder einem Unfall inkontinent werden, ist eine Blasenschwäche ein schleichender Prozess. Die meisten Menschen verlieren hin und wieder ein Tröpfchen Urin, beim Niesen und Husten. Im Alter wird es schlimmer und es kommt zu Urinverlust beim Lachen oder Sporttreiben. Das gleiche gilt für eine hyperaktive Blase. "Zuerst schaffen es die Patienten einmal im Monat nicht auf die Toilette. Im Laufe der Zeit kann es sein, dass Patienten es mehrmals pro Tag nicht schnell genug auf die Toilette schaffen", so Prof. Bauer.

Kann ich Inkontinenz vorbeugen?

Die gute Nachricht ist, dass Sie viel selbst tun können, um Inkontinenz im Vorfeld zu verhindern oder einzuschränken.

  • Übergewicht vermeiden: "Das A und O, um Inkontinenz vorzubeugen, ist Übergewicht zu vermeiden", betont die Expertin. Es gibt Studien, die beweisen, dass Sie sowohl Belastungs- als auch Dranginkontinenz deutlich reduzieren können, indem Sie 5 Prozent an Gewicht verlieren. Vorausgesetzt natürlich, Sie sind übergewichtig.
  • Beckenboden trainieren: Jede Belastung auf den Beckenboden erhöht das Risiko für Inkontinenz. Zum Beispiel zählen Frauen, die extreme Sportarten wie Gewichtheben betreiben, zur Risikogruppe. Aber: Wenn Sie gerne im Fitnessstudio mit Hanteln Kniebeugen oder Kreuzheben ausführen, sollten Sie getrost weitermachen. Denn ein sportlicher und aktiver Lebensstil ist essenziell, um Blasenschwäche gezielt vorzubeugen.
    Vor allem sollten Sie Ihren Beckenboden trainieren. Frauen, die gerade entbunden haben, sollten auf jeden Fall Rückbildungsgymnastik betreiben. Auch älteren Frauen empfiehlt die Urologie-Professorin ein Beckenbodentraining. Zusätzlich rät die Expertin zu Pilates-Übungen, da dabei auch der Beckenboden gezielt gekräftigt wird. Fragen Sie bei der Volkshochschule oder im Fitnessstudio nach Kursen!
  • Rauchen aufgeben: Ein gesunder Lebensstil hat einen starken Einfluss auf Dranginkontinenz. Dazu zählt auch mit dem Rauchen aufzuhören, da Nikotin ein Reizstoff ist, der besonders Ihre Blase reizt.
  • Gesund ernähren: Ein weiterer Risikofaktor ist eine chronische Obstipation, sprich Verstopfung. Durch das Pressen beim Stuhlgang lastet ein enormer Druck auf dem Beckenboden. Deshalb sollten Sie sich gesund und ballaststoffreich ernähren.

Wie wird Inkontinenz therapiert?

Um Blasenschwäche zu behandeln, ist die beste Methode, Physiotherapie mit Beckenbodengymnastik zu kombinieren. "Besonders gute Ergebnisse können Sie erzielen, indem Sie Ihren Beckenboden mit Elektrostimulation und Biofeedback trainieren", sagt Urologin Bauer. "Bei beiden Methoden führen Sie eine Vaginalsonde wie einen Tampon in die Scheide ein. Diese Sonde ist durch ein Kabel mit einem Messgerät verbunden."

Es gibt zwei Möglichkeiten das Gerät einzustellen:

  • Beim Biofeedback spannen Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur aktiv an und können visuell auf dem Messgerät kontrollieren, ob Sie das Training richtig ausführen. Dies gibt Ihnen Rückmeldung, ob Sie Ihren Beckenboden genügend und lang genug anspannen.
  • Bei der Elektrostimulation wird Ihr Beckenboden beim Einschalten des Gerätes durch elektrische Impulse passiv stimuliert, um die Muskulatur zu kräftigen.
Manchmal ist das Problem ein dringendes Müssen, oft sind es aber nur ein paar ungewollte Tropfen. © Kaspars Grinvalds / Shutterstock.com

Ab wann lohnt sich eine Blasen-OP?

Erst wenn die erwähnten Behandlungsmethoden erfolglos bleiben, sollten Sie über eine Operation nachdenken. Die Hauptmethode ist das TVT-Verfahren (tension-free vaginal tape = spannungsfreies Vaginal-Band) , bei der ein kleines Kunststoffbändchen unter lokaler Betäubung vor die Harnröhre gelegt wird, um diese zu stabilisieren. Bei Belastung gibt der Schließmechanismus dann nicht gleich nach.

Allerdings wird dieser Eingriff nur bei Frauen ohne weiteren Kinderwunsch über 35 bis 40 Jahre vorgenommen, weil das Band bei der Geburt verrutschen könnte. Wer mit einer TVT behandelt wird, ist in 85 Prozent der Fälle geheilt und hat meist auch noch nach 5 Jahren keine Probleme damit. Bei weiteren 10 Prozent kommt es zumindest zu einer Besserung der Inkontinenz.

Welche Hausmittel helfen bei Blasenschwäche?

Bei Belastungsinkontinenz helfen Vaginaltampons und Beckenbodentraining. Die Übungen sollten Sie möglichst täglich 10 Minuten lang machen. Es sind allerdings Geduld und Durchhaltevermögen gefragt: Der Erfolg der Beckenbodengymnastik stellt sich erst nach 3 bis 6 Monaten ein.

Gegen Dranginkontinenz gibt es freiverkäufliche Medikamente in der Apotheke zu kaufen. Aber: "Für diese Medikamente lassen sich keine Leitlinienempfehlung geben. Studien, die beweisen sollen, dass diese Medikamente hilfreich sind, sind nicht besonders hochwertig. Gerade im Frühstadium empfehle ich ein Blasentraining", betont die Urologin. So geht's: Gehen Sie nicht bei jedem Harndrang sofort auf die Toilette. Bleiben Sie ruhig und denken Sie daran, dass Ihre Blase nicht wirklich voll ist. Tipp: Kombinieren Sie Blasentraining mit Beckenbodentraining.

Wer unter häufigem Harndrang leidet, sollte täglich den Beckenboden trainieren, etwa durch Hüftheben. © mangostar / Shutterstock.com

Gibt es Lebensmittel oder Getränke, die ich meiden sollte?

Vor allem sollten Sie Reizstoffe wie Nikotin, Koffein oder scharfe Gewürze meiden. Wichtig: Gerade Koffein hat einen sehr negativen Einfluss auf Ihre Blasenmuskulatur. Über 500 ml Kaffee am Tag steigern Ihr Inkontinenzrisiko um 25 Prozent. Ergo: Wenn Sie Probleme mit Ihrer Blase haben, sollten Sie Kaffee möglichst meiden.
Zusätzlich empfiehlt die Expertin ein Blasentagebuch zu führen, um herauszufinden, auf welche Getränke und Spiesen Sie mit vermehrtem Harndrang reagieren. Prof. Bauer: "Bei vielen Patienten werden die Beschwerden durch saure Getränke wie Grapefruit schlimmer. Einige Menschen reagieren auch empfindlich auf Light Getränke."

Welche Binden gegen Blasenschwäche gibt es?

Wichtig: Benutzen Sie nur Produkte, die speziell für Harninkontinenz ausgelegt sind. Diese enthalten ein Gel, das Flüssigkeit absorbiert, und dafür sorgt, dass kein Geruch entsteht. Bei Binden einiger Hersteller saugt ein spezielles Fleece die Flüssigkeit auf. Benutzen Sie keine Monatsbinden oder Slipeinlagen! Diese arbeiten mit ganz anderen Systemen als Inkontinenzbinden.

Hat Blasenschwäche etwas mit dem Alter zu tun?

Auch. Je älter Sie werden, desto höher ist das Risiko, inkontinent zu werden. Bei Frauen steigt das Risiko zusätzlich, während der Schwangerschaft und nach der Geburt an. Sollten Sie wechseljahrebedingt einen Hormonmangel haben, können Sie Östrogenpräparate als Salbe und Vaginalzäpfchen verwenden. "40 Prozent der Frauen über 60 haben irgendeine Form der Harninkontinenz", sagt die Urologin.

Welcher Arzt kann bei Blasenschwäche helfen?

Ihr erster Ansprechpartner sollte Ihr Hausarzt oder Gynäkologe sein. Falls Ihr Arzt sich nicht mit dem Thema auskennt, besuchen Sie die Website der Deutschen Kontinenzgesellschaft. Hier finden Sie wichtige Infos zu Beratungsstellen sowie Gynäkologen und Urologen, die auf das Thema spezialisiert sind.

Blasenschwäche ist nichts, wofür Sie sich schämen müssen. Etwa 50 Prozent aller Frauen haben Erfahrung mit unfreiwilligem Urinverlust. Die gute Nachricht: Sie können aktiv gegen Inkontinenz vorgehen. Falls Blasenschwäche für Sie zum Problem wird, suchen Sie einen Arzt auf. Dieser kann Ihnen verschiedene Therapiemöglichkeiten gegen Ihre Inkontinenz aufzeigen.

05.11.2018| Susan Kesselring © womenshealth.de
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