Burnout-Symptome 7 Signale für psychische Erschöpfung

Einfach keine Kraft mehr? Wenn durch ein Burnout die Seele am Boden ist, macht auch der Körper schlapp. © Photographee.eu / Shutterstock.com

Fühlen auch Sie sich völlig ausgepowert? Wie Sie erkennen, ob Sie auf ein Burnout zusteuern, und was jetzt wirklich hilft, lesen Sie hier

Was machen Sie, wenn Sie sich eine schwere Erkältung oder einen fiesen Magen-Darm-Virus eingefangen? Klar: Sie melden sich krank und kurieren sich zuhause aus. Aber was machen viele Frauen, wenn es ihnen mal psychisch nicht gut geht? Wenn sie sich erschöpft oder niedergeschlagen fühlen? Richtig: Sie tun diese Beschwerden als Nichtigkeit ab, reißen sich immer wieder zusammen und marschieren zur Arbeit. "Ganz falsch", sagt die Psychologin Ilona Bürgel, "Und auch gefährlich! Psychische Erschöpfung hat nichts mit persönlicher Unfähigkeit zu tun, sondern ist ein wichtiges Alarmzeichen, dass Sie überfordert sind. Sie kann zu einem Burnout mutieren, das Sie dann für längere Zeit aus dem Verkehr zieht."

Besonders wenn Sie eigentlich genug geschlafen haben, sollte andauernde Müdigkeit und Niedergeschlagenheit Sie misstrauisch machen, vor allem wenn sie mit extremer Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit einhergeht. Aber auch anhaltende Schlaflosigkeit oder ständige Einschlafschwierigkeiten können Warnzeichen sein.

Definition: Was ist ein Burnout?

Sind Sie auch anfälliger für Infekte als sonst? Auch das kann ein Zeichen für seelische Erschöpfung sein. © Photographee.eu / Shutterstock.com

Für den Begriff "Burnout" gibt es keine medizinisch-exakte Definition. Er summiert Symptome körperlicher und seelischer Erschöpfung, ausgelöst durch lange andauernde Überforderung. Die Abgrenzung zu einer Depression ist schwammig, die Grenzen verlaufen da oft fließend und ohne klar abzugrenzende Merkmale. Viele Psychologen sprechen aber vom Burnout als einer Vorstufe der Depression, die sich bei Nicht-Behandlung auswachsen kann zu einer richtigen Depression.

Was ist das Rushing Woman Syndrom?

Die amerikanische Biochemikerin Dr. Libby Weaver hat zusätzlich zum Burnout den Begriff „Rushing Women Syndrom“ geprägt, der das Phänomen speziell in Bezug auf Frauen exakter auf den Punkt bringen soll: "Im Vordergrund steht die Wahrnehmung, ständig unter Druck zu sein", schreibt sie in ihrem Buch „Das Rushing Woman-Syndrom“ (Trias Verlag, zirka 20 Euro), "Das Hauptsymptom ist extreme, anhaltende Müdigkeit. Die betroffenen Frauen sind nicht nur abgrundtief müde, sondern häufig zugleich aufgedreht.“ Der Spagat zwischen Haushalt, Familie und Berufstätigkeit, den heutzutage immer mehr Frauen vollbringen müssen, hat häufig diese Symptomatik zur Folge.

Wann muss ich mit einem Burnout zum Arzt?

Am besten lassen Sie es gar nicht so weit kommen und horchen so früh wie möglich in sich hinein. Wenn sich das Gefühl der Erschöpfung breitzumachen beginnt und die Sehnsucht nach Erholung und Erleichterung immer größer wird, sollten Sie handeln und einen Arzttermin machen. Wie gesagt, die Grenzen zwischen den verschiedenen Belastungsstadien verlaufen fließend, und je früher Sie etwas unternehmen, desto eher wird Ihnen Entlastung und Hilfe zuteil. Es gibt allerdings einige deutliche Anzeichen, dass ein Burnout droht.

Test: Wie Sie die Gefahr für ein Burnout erkennen

Damit Sie gar nicht erst in die Erschöpfungs-Spirale geraten, sollten Sie diese 7 stärksten Burnout-Signale erkennen und wissen, wie Sie Ihnen am besten entgegen steuern können:

1. Sie sind erschöpft, extrem müde und können nicht schlafen

Geistige Arbeit kann körperliche Erschöpfung verursachen. Vor allem, wenn man sehr viel arbeitet und die To-Do-Liste nie kürzer wird. Stress führt dazu, dass in unserem Nervensystem der Sympathikus dominiert, der seit Urzeiten bei uns "Kampf oder Flucht"-Reaktionen auslöst. Dafür werden im Körper unter anderem die Hormone Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, die unseren Körper in Alarmbereitschaft versetzen. Idealerweise steht der Sympathikus mit seinem Gegenspieler, dem für "Ruhe und Reparatur" zuständigen Parasympathikus, im Gleichgewicht.

Gönnen Sie sich Ruhe und Zeit zum Nachdenken: Was von dem ganzen Stress lässt sich in Zukunft vermeiden? © Photographee.eu / Shutterstock.com

"Das autonome Nervensystem wird vom Unterbewusstsein gesteuert und ist unseren Gedanken nicht zugänglich", erklärt Libby Weaver. Wenn wir also den ganzen Tag unter Stress standen, sind wir so mit Adrenalin geflutet, dass unser Körper bis spät in den Abend hinein im Kampf- und Flucht-Modus ist. Selbst wenn wir uns sagen, dass wir jetzt schlafen wollen – unser fluchtbereiter Körper kann das nicht. Um Schlaflosigkeit zu vermeiden, sollten Sie künftig ab 14 Uhr keinen Kaffee mehr trinken und abends keinen anstrengenden, sondern leichten Sport treiben. Leichte Bewegung wie ein Spaziergang oder Yoga baut Adrenalin ab, so die Expertin für das Immer-in-Eile-Syndrom, intensiver Sport dagegen ist Stress für den Körper und kurbelt die Adrenalin-Produktion wieder an.

2. Sie sind ängstlicher als sonst

Eigentlich sind Sie kein ängstlicher Typ, aber in letzter Zeit häufen sich Symptome wie Herzrasen und sogar Panikattacken? Achtung, dann sind Sie auf dem Highway zum Burnout. Und es wird höchste Zeit, entspannende Maßnahmen wie Massagen, Yoga und Meditation fest in Ihren Alltag einzubauen. SOS-Hilfe bei Panikattacken sind ein paar tiefe, bewusste Atemzüge. "Nichts kann den Körperzellen mehr Sicherheit vermitteln als das Atmen", sagt Weaver, "Mit kurzem, flachen Atem signalisieren wir dem Körper, dass unser Leben in Gefahr ist. Tiefe, langsame Atemzüge, die das Zwerchfell einbeziehen, teilen dem Körper das Gegenteil mit, dass alles gerade absolut sicher ist."

Träge Falle: Oft interpretieren Burn-out-Kandidatinnen ihre Erschöpfung und Niedergeschlagenheit als normale Müdigkeit. © Photographee.eu / Shutterstock.com

3. Sie können sich nicht konzentrieren

Wenn Ihre Aufmerksamkeit wie ein Eichhörnchen von Gedanke zu Gedanke springt, werden Sie zwangsläufig Fehler machen oder wichtige Dinge vergessen – was Ihr Stresslevel weiter in die Höhe treibt. Nehmen Sie sich mal einen ganzen Tag Auszeit. Klinken Sie sich 24 Stunden komplett aus Ihrem Alltag aus. Nicht, um liegen gebliebene Dinge zu erledigen. Sondern um sich ganz auf sich zu konzentrieren. Die richtige Zeit, um zu meditieren, einen langen Spaziergang zu machen und sich nur um sich selbst zu kümmern!

4. Sie sind niedergeschlagen

Die Ereignisse im Büro oder Zuhause drücken Sie nieder? Ihre Stimmung ist schlechter als üblich bei Stimmungsschwankungen und hält auch länger an? Dann könnte es sein, dass Sie auf eine Depression im klinischen Sinne zusteuern. Ob Ihre Niedergeschlagenheit die Begleiterscheinung eines Burnouts ist oder eine Depression ankündigt, kann ein Psychologe am besten klären. Warten Sie nicht zu lange, sondern suchen Sie sich Hilfe. Psychologen können am besten entscheiden, ob Sie eine Psychotherapie oder Psychopharmaka brauchen, oder ob ein paar Tage Auszeit reichen, um wieder eine positivere Lebenseinstellung zu bekommen.

5. Sie werden schnell wütend

Wenn Sie sich zu gar nichts mehr aufraffen können, nicht einmal zu Dingen, die sonst Spaß machen, sollte der Alarm angehen. © Photographee.eu / Shutterstock.com

Fast jede Frau hat mal einen Wutausbruch oder lässt sich unter Druck zu einer Überreaktion hinreißen. Wenn Ihr täglicher Umgangston jedoch immer aggressiver wird, ist es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen. Denken Sie daran: Wer psychisch angespannt ist, verkrampft auch körperlich. Ohne ein Ventil dafür zu finden, stauen sich die Emotionen – und entladen sich nicht selten in verbaler Aggression. Tipp: Lassen Sie sich massieren. Denn Massagen können dazu beitragen, sowohl die muskulären als auch psychischen Spannungen zu lockern. Auch ein heißes Bad entspannt die Muskeln. Ganz falsch wäre jetzt ein anstrengendes Workout, das Ihren Körper wieder unter Stress setzt. "Sie profitieren jetzt von allen Bewegungsarten, die langsam durchgeführt werden und bei denen man auf den Atem achtet", sagt Weaver, "Solche Übungen helfen, dem Gleichgewicht im vegetativen Nervensystem wieder näherzukommen." Tai-Chi, Qigong und Yoga sind ideale Sportarten für Frauen unter Stress.

6. Sie fangen sich jeden Infekt ein

Auch ständige Erkältungen und andere körperliche Wehwehchen, die einfach nicht verschwinden wollen, sind eindeutige Zeichen dafür, dass Ihr Körper den Preis für einen erschöpften Geist zahlt. Ziehen Sie die Reißleine. Überdenken Sie Ihre Ernährung und sorgen Sie für ausreichend, tiefen Schlaf, um dem Körper Futter und Zeit für Reparaturprozesse zu geben.

7. Ihr Leben scheint in Slow Motion zu verlaufen

Nichts übereilen: Erst wenn Sie den Kopf wieder ganz frei haben, können Sie wieder durchstarten. © Photographee.eu / Shutterstock.com

Sie denken, mit einem Kaffee nach dem anderen bekommen Sie mehr Power in Ihren hektischen Alltag? Ganz falsch, weiß die Biochemikerin Weaver: "Nach ein paar Tassen Kaffee wird selbst die gelassenste, perfekt geerdete Frau innerlich zappelig." Statt wacher zu werden, verstärkt Kaffee den Stress und fördert den Weg ins Burnout. Weaver rät stressgeplagten Frauen dringend zu einer Kaffeepause. Weaver: "Kaffee informiert die Hypophyse, dass sie die Nebenniere zur Adrenalin-Ausschüttung auffordern soll. Adrenalin wir frei, Blutdruck und Puls schießen in die Höhe und die Muskeln spannen sich an, um reaktionsbereit zu sein." Das alles ist Stress für Ihren Körper! Steigen Sie auf grünen Tee oder Kräutertee um. Sie werden sehen, wenn Sie Ihren Körper nicht ständig mit Adrenalin fluten, gewinnen Sie an Energie und Gelassenheit.

Wie eine Auszeit gegen den Burnout hilft

Wenn Ihnen die oben genannten Symptome bekannt vorkommen, sollten Sie sich dringend einen Tag Auszeit nehmen. Das hat nichts mit "Blaumachen" zu tun. "Aus der Urlaubsforschung wissen wir, dass ein Kurzurlaub für die psychische Erholung mehr bringt als ein langer Urlaub", sagt Ilona Bürgel, "Wichtig ist, dass Sie diesen Tag nicht nur als Auszeit von der Arbeit, sondern auch von den privaten Pflichten nutzen." Schlafen Sie sich richtig aus, gehen Sie spazieren, machen Sie eine geführte Meditation oder kochen Sie sich etwas Gesundes. Betrachten Sie sich einmal in Ruhe aus der Vogelperspektive, um zu erkennen, dass sich in Ihrem Leben dringend etwas ändern muss.

Ihr Körper gibt Ihnen viele Warnhinweise auf ein drohendes Burnout. Nehmen Sie sie ernst und sich selbst Zeit, die richtigen Gegenmaßnahmen einzuleiten. Ein Mental-Day wäre schon mal ein guter Anfang. Wenn auch das nicht hilft: Zögern Sie nicht, Ihren Arzt zügig offen und ehrlich über Ihren Zustand zu informieren.

28.09.2018| Christine Naefeke © womenshealth.de
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