Endometriose Wenn die Periode nur noch schmerzhaft ist

Besonders starke Periodenschmerzen können ein Hinweis auf Endometriose sein
Besonders starke Periodenschmerzen können ein Hinweis auf Endometriose sein. © B D S Piotr Marcinski / Shutterstock.com

Sind die Regelschmerzen besonders schlimm, könnte Endometriose dahinter stecken. Mögliche Folge: Unfruchtbarkeit. Das solltest du darüber wissen

Aargh, jeden Monat diese Schmerzen im Unterleib! Nicht dass es ein Trost wäre, aber: Regelschmerzen kennt fast jede Frau. Schmerzt es vielleicht bei dir besonders schlimm? Dann solltest du hier aufmerksam weiterlesen.

Denn bei etwa 2 Millionen Frauen in Deutschland sind die Schmerzen mehr als nur eine Begleiterscheinung der Periode, sondern Anzeichen einer chronischen Unterleibserkrankung namens Endometriose, die nicht nur verdammt schmerzhaft ist, sondern auch unfruchtbar machen kann.

Was ist Endometriose?

Bei einer Endometriose handelt sich um eine zwar gutartige, aber sehr schmerzhafte Wucherung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter. Die entsprechenden Zysten und Entzündungen treten meist im Bauchraum auf. Das Gewebe ähnelt der Gebärmutterschleimhaut und kann mit dem hormonellen Zyklus wachsen und bluten.

Was passiert bei einer Endometriose?

Wo sich die Gewebeinseln bzw. Endometrioseherde ansiedeln, machen sie nur Ärger: Bevorzugt befinden sie sich am Bauchfell im kleinen Becken, auf den Haltebändern der Gebärmutter, auf den Eierstöcken und in einer Vertiefung hinter der Gebärmutter.

In diesen Außenposten reagieren sie wie die Schleimhautzellen in der Gebärmutter auf die Hormonschwankungen des Zyklus'. Die Herde werden auf- und abgebaut und bluten zyklisch. Dummerweise kann dieses Blut aber nicht nach außen abfließen, weshalb sich die Endometrioseherde noch weiter vergrößern. Manchmal bilden sich sogar blutgefüllte Zysten, "Schokoladenzysten" genannt. Dann kommt es zu Entzündungsreaktionen.

Warum ist Endometriose so schmerzhaft?

Als wäre alles noch nicht schlimm genug, tritt in der Umgebung der Endometrioseherde ein Wachstumsfaktor (Eiweiß, das Wachstum anregt) in größeren Mengen auf. Er sorgt dafür, dass Nervenfasern in die Herde einsprießen – kein Wunder also, dass das Ganze so schmerzhaft ist!

Die Entzündungen führen im Unterleib auch zu Verklebungen und Verwachsungen mit der Umgebung (z.B. auf den elastischen Haltebändern der Gebärmutter). Mögliche Folge: zyklusunabhängige Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Schmerzen beim Stuhlgang und Wasserlassen, Blut im Urin, Unfruchtbarkeit.

Besonders starke Periodenschmerzen können ein Hinweis auf Endometriose sein
Wenn du häufig unter unerträglichen Regelschmerzen leidest, solltest du deine Gynäkologin bitten, dich auf Endometriose hin zu untersuchen © ESB professionel / shutterstock.com

Wie erkennt man Endometriose?

Da es eine Vielzahl von Ursachen für sehr schmerzhafte Unterleibsbeschwerden gibt, wird Endometriose oft erst recht spät erkannt, meist im Zusammenhang mit der Ursachenforschung für einen unerfüllten Kinderwunsch.

Es kann auch sein, dass die Gynäkologin beim Tasten und Ultraschall keine Herde findet. Dann ist es gut möglich, dass sie sich dort angesiedelt haben, wo sie der Ultraschall nicht sehen und die Hand nicht tasten kann. Nur eine Bauchspiegelung bringt letztendlich Gewissheit, ob und wie stark du an Endometriose leidest.

Ist die Diagnose gestellt, fragst du dich natürlich "und jetzt?" Sicher ist, dass sich eine Endometriose, wenn sie nicht behandelt wird, weiter ausbreitet.

Was hilft gegen Schmerzen bei Endometriose?

Kurzfristig helfen Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen. Da die Krankheit jedoch nicht von alleine heilen kann, sondern sich eher ausbreitet, sind Schmerzmittel keine Lösung, denn sie schädigen auf Dauer Leber und Nieren. Deshalb ist eine Behandlung der Krankheit auf jeden Fall notwendig.

Wie behandelt man eine Endometriose?

Es gibt mehrere Behandlungsmöglichkeiten. Für welche du dich entscheiden solltest, hängt vor allem auch davon ab, ob ein Kinderwunsch besteht oder nicht:

  • Hormone Gegen die Regelschmerzen helfen hormonelle Verhütungsmittel mit wenig Östrogen und viel Gelbkörperhormon (Gestagene), welches das Wachstum der Schleimhautzellen bremst. Allerdings greifen diese stark in den Hormonhaushalt ein und wirken einer Schwangerschaft entgegen.
  • Gestagene Pillen und Spiralen, die ausschließlich Gestagene enthalten, gaukeln dem Körper eine Schwangerschaft vor, so dass keine Schleimhaut mehr aufgebaut wird. Doch Vorsicht: Das synthetisch hergestellte Gelbkörperhormon kann schwerwiegende Nebenwirkungen wie Depressionen und Migräne haben.
  • GnRH Analoga (GnRH= Gonatropin-Releasing Hormon) sind das Standardmedikament zur Behandlung einer Endometriose. Sie senken indirekt über die Hirnanhangsdrüse die Produktion der Östrogene. Dadurch bilden sich die Endometrioseherde zurück, verschwinden jedoch nicht ganz. GnRH-Analoga können Wechseljahrs-ähnliche Beschwerden wie z.B. Hitzewallungen auslösen. Da eine längere Medikation Osteoporose (Knochenschwund) zur Folge hat, ist die Behandlung in der Regel auf ein halbes Jahr begrenzt.
  • Hausmittel Eine generelle Empfehlung zur Ernährung gibt es nicht, manchen Frauen hilft eine vegane Ernährung, anderen wiederum entzündungshemmende Nahrungsmittel wie Ingwer – eine generelle Heilung durch Ernährung ist jedoch nicht möglich, womöglich aber eine Linderung der Beschwerden. Hilfreich, mit dem Schmerz umzugehen, sind Bewegung und Entspannungsmethoden wie Tai Chi oder Yoga. Als sehr entspannende Übung gilt etwa der Schmetterling, hier im Video:


Wann ist bei Endometriose eine OP notwendig?

Wenn es dir nicht nur darum geht, die Schmerzen zu reduzieren, sondern auch darum, Hürden für eine Schwangerschaft aus dem Weg zu räumen, solltest du mit deiner Ärztin über eine Entfernung der Endometriose-Herde sprechen. Oft gelingt das bereits im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie), bei größeren Herden ist ein Bauchschnitt nötig.

Schokoladenzysten und Verwachsungen kann man z.B. bei einer Bauchspiegelung entweder ausschälen oder mit einem Laser verdampfen lassen. Besteht ein Kinderwunsch, wird unter Umständen nicht das gesamte Gewebe entfernt, damit die Gebärmutter erhalten bleibt. Die Erfolgschancen sind in frühen Stadien der Krankheit höher als in fortgeschrittenen.

Besteht absolut kein Kinderwunsch, raten dagegen die meisten Ärztinnen und Ärzte zu einer Gebärmutter-Entfernung. Übrigens: Falls du gerade schwanger bist, wirst du feststellen, dass dies eine hervorragende "Medizin" gegen Endometriose ist.

Eine Endometriose macht sich meist mit starken Menstruationsschmerzen bemerkbar, die aber auch zyklusunabhängig auftreten können. Obschon gutartig, schreitet sie meist voran und kann bleibende Schäden an Organen hinterlassen. In jedem Fall solltest du deine Gynäkologin auf die Möglichkeit einer Endometriose ansprechen und sie bitten, eine Bauchspiegelung zu veranlassen.

Mehr Infos findest du bei der Endometriose-Vereinigung.

05.11.2019| Gerlinde Felix, Christine Naefeke © womenshealth.de
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