Das verbirgt sich hinter der 75-Hard-Challenge

Fitness-Challenge
75 Hard: Ist diese TikTok-Challenge zu krass?

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 22.12.2025
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75 Hard Challenge
Foto: shutterstock.com/Halfpoint

Viele setzen sich fürs neue Jahr klare Ziele für Ernährung und Training, während auf TikTok und Instagram Fitness-Challenges boomen. Ein Trend, der besonders auffällt, ist die 75 Hard Challenge. Der Hashtag #75HardChallenge hat über eine Milliarde Aufrufe und Teilnehmer:innen posten beeindruckende Vorher-Nachher-Bilder mit sichtbarem Gewichtsverlust und mentalen Fortschritten. Doch diese Challenge ist härter, als sie auf den ersten Blick wirkt.

Wir erklären, was wirklich hinter dem Hype steckt, wie Expert:innen den Trend bewerten und wie unser eigener Test bei Women’s Health ausgefallen ist.

Was ist die 75-Hard-Challenge?

Bei der 75-Hard-Challenge lässt sich von einem regelrechten Hype sprechen. Andy Frisella, ein US-amerikanischer Podcaster und Motivations-Coach, hat die Challenge ins Leben gerufen. Vielleicht bist auch du schon in den sozialen Medien über Vorher-Nachher-Bilder gestolpert, auf denen Leute zeigen, wie sie die 75-Hard-Challenge durchgezogen haben. Was dabei oft als Erstes auffällt: Die Teilnehmenden haben deutlich Körperfett verloren und Muskeln aufgebaut.

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Aber hier geht es nicht nur um äußerliche Veränderungen. Frisella bezeichnet die Challenge eher als ein "mentales Fitnessprogramm", bei dem es darum geht, 75 Tage lang die eigene Komfortzone zu verlassen. Dass sich dabei auch positive Auswirkungen auf Gewicht und Figur ergeben, ist jedoch ein willkommener Nebeneffekt.

Die 75-Hard-Challenge ist eine 75-tägige Herausforderung, die darauf abzielt, Disziplin und mentale Stärke aufzubauen. Die Hauptregeln sind:

  1. Zweimal täglich trainieren: Jede Trainingseinheit sollte mindestens 45 Minuten dauern, wobei eine davon draußen stattfinden muss.
  2. Täglich lesen: Mindestens 10 Seiten eines nicht-fiktionalen Buches lesen.
  3. 4 Liter trinken: Täglich mindestens 4 Liter Wasser trinken.
  4. Gesund ernähren: Eine Diät deiner Wahl befolgen, welche keinen Alkohol und keine Cheat-Mahlzeiten beinhaltet.
  5. Täglich fotografieren: Jeden Tag solltest du deinen Fortschritt auf einem Foto festhalten.
  6. Keine Ausnahmen: Die Challenge muss ohne Ausnahmen für 75 Tage durchgehalten werden, unabhängig von Krankheit oder anderen Umständen.

"Wie Sie in nur 75 Tagen die volle Kontrolle über Ihr Leben übernehmen", lautet eine Aussage auf der offiziellen Informationsseite der "75-Hard-Challenge". Aber was genau ist das Ziel von 75 Hard? Hier geht es darum, Fähigkeiten wie Entschlossenheit, Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Hartnäckigkeit und Disziplin zu stählen – diese sind laut Frisella essenzielle Eigenschaften für Erfolg im Leben. Und warum genau 75 Tage? Laut Forschung brauchst du etwa 21 bis 66 Tage, um dir eine neue Routine anzueignen, die zur Gewohnheit wird. Das Programm ist sozusagen dein intensives Gehirn-Workout für mehr Lebenskontrolle, welches im Optimalfall nach 75 Tagen in neuen Gewohnheiten mündet.

Wie sinnvoll ist die 75-Hard-Challenge?

Wir wollten den TikTok-Trend auch wissenschaftlich hinterfragen und haben dazu mit einer Expertin gesprochen. Prof. Dr. phil. Daniela Stein-Brüggemann, Expertin für Leistungsdiagnostik und Trainingsteuerung von der Medical School Hamburg, äußert ihre Bedenken bezüglich der TikTok-Challenge: "Es ist bekannt, dass hochintensives Training das Immunsystem schwächt, was der Grund für die vielen Erkrankungen (siehe Selbstversuch) sein kann. 2 Trainingseinheiten á 45 Minuten für Untrainierte sind einfach schon sehr hoch und eventuell zu viel."

Obwohl die Rahmenbedingungen der Challenge recht flexibel gestaltet sind, da keine konkrete Trainingsintensität oder Ernährungsweise vorgeschrieben ist und somit auf fast jedes Trainingsniveau anpassbar ist, betont sie: "Nur vorzuschreiben, dass man sich gesund ernähren soll, bringt nicht viel. Durch das Training erhöht sich mein Energiebedarf, kann ich den nicht decken, gerate ich ins Energiedefizit, was wiederum Leistungseinbußen und ein schwächeres Immunsystem mit sich bringen kann."

Auch der Sportwissenschaftler Dr. Stephan Geisler von der IST-Hochschule in Düsseldorf äußert ähnliche Bedenken. Er betont, dass es schwierig ist, die 75-Hard-Challenge aus wissenschaftlicher Sicht zu beurteilen, da es noch keine Studien gibt, die sich konkret damit auseinandergesetzt haben: "Aber aus physiologischer Sicht halte ich es für unvernünftig, sich so zu überfordern."

Es ist durchaus sinnvoll, sich für einen Trainingsplan zu entscheiden, der auf langfristige Erfolge abzielt, der dabei aber realistisch in deinen Alltag integriert werden kann, ohne dass du dich überforderst. Pausen für die Regeneration und Erholung sind ebenfalls entscheidend. Wenn du nicht im Hochleistungssport tätig bist und nach einer neuen Herausforderung suchst, könnte die etwas mildere Variante, die "75 Soft Challenge", interessanter für dich sein.

Was ist 75 Soft?

Im Unterschied zur 75-Hard-Challenge verfolgt die von der TikTok-Community ins Leben gerufene "75-Soft-Challenge" einen weniger intensiven Ansatz. Ähnlich wie die anspruchsvollere Version hat 75 Soft eine Reihe von Regeln und Richtlinien, die für 75 Tage befolgt werden müssen, aber nicht ganz so heftige. Die Regeln sind darauf ausgelegt, dir zu helfen, gesunde Gewohnheiten zu entwickeln, ohne extreme Einschränkungen:

  1. Iss gesund und bewusst und trinke nur bei gesellschaftlichen Anlässen (wenig) Alkohol.
  2. Trainiere täglich 45 Minuten, mit einem Tag Pause pro Woche für aktive Erholung (leichtes Joggen, Yoga, etc.).
  3. Trinke täglich 3 Liter Wasser.
  4. Lies täglich 10 Seiten aus einem beliebigen Buch.

Eine perfekte Alternative für alle, die aus eingefahrenen Mustern ausbrechen wollen, ohne direkt ihren kompletten Alltag umkrempeln zu müssen!

Für wen kann die 75-Hard-Challenge theoretisch funktionieren?

Die 75-Hard-Challenge kann für Menschen funktionieren, die bereits Erfahrung im Training haben, ein solides Fitnesslevel mitbringen und sich mental stark strukturieren können. Wer klare Routinen liebt, diszipliniert arbeitet und körperlich belastbar ist, profitiert am ehesten von dem strikten Regelwerk. Auch Personen, die einen starken Motivationsschub oder ein klares Framework suchen, können kurzfristig Erfolge erzielen. Wichtig ist jedoch, dass keine gesundheitlichen Einschränkungen bestehen und das Pensum realistisch zu bewältigen ist.

75 Hard vs. 75 Soft: Was passt zu dir?

Beide Programme zielen darauf ab, mehr Struktur und Disziplin in deinen Alltag zu bringen, unterscheiden sich jedoch in Intensität und Belastung. 75 Hard fordert maximale Disziplin, während 75 Soft eine alltagstauglichere Variante ist, die weniger Druck macht und trotzdem klare Routinen schafft. Welche Version besser zu dir passt, hängt von deinem Alltag, Fitnesslevel und mentaler Belastbarkeit ab.

Joans Erfahrungsbericht: Wir wagen den Selbstversuch

So viele Menschen auf Social Media haben es geschafft, obwohl 75 Hard fast unschaffbar klingt. Wir wollten uns selbst überzeugen, und so wagte Kollegin Joan den Selbstversuch. Hier ist ihr Erfahrungsbericht:

Los geht's! Ich hatte schon seit einigen Wochen das Gefühl, in meinem Training zu stagnieren, nicht mehr wirklich auf meine Ernährung zu achten und mich im Großen und Ganzen unwohl in meiner Routine zu fühlen. Also habe auch ich mich an die 75-Hard-Challenge gewagt.

75 Hard Challenge
Privat

Vorbereitung ist alles. Durch meinen Nine-to-five-Job musste ich das Training um meine Arbeitszeiten herum gestalten. Morgens bin ich meistens draußen laufen gewesen und abends unmittelbar nach Feierabend ins Gym für eine Krafteinheit. Auch das Lesen hat wieder einen festen Platz in meinem Alltag gefunden, indem ich mir vor dem Aufstehen aktiv die Zeit dafür genommen habe. Was für ein entspannter Start in den Tag!

Meine Trinkflasche ist während der Challenge meine treueste Begleitung. Egal, wo ich hingehe, meine Wasserflasche ist dabei, denn anders sind die 4 Liter täglich kaum zu schaffen. Für meine Ernährung habe ich versucht, es mir so leicht wie möglich zu machen. Ich habe mich fürs Intervallfasten entschieden, das passt gut in meinen Alltag und bietet ausreichend Spielraum beim Gestalten meiner Mahlzeiten.

Leichter als gedacht, zumindest in Teilen. Ich war recht gut vorbereitet auf die kommenden 75 Tage und auch ziemlich optimistisch, alle Aufgaben meistern zu können. Überraschenderweise hatte ich keine Probleme, genügend Wasser zu trinken, täglich 10 Seiten zu lesen oder mich an meinen Food-Plan zu halten.

Nur die Gestaltung der Trainingseinheiten begann immer komplexer zu werden. Da mein Alltag unter der Woche eigentlich nur aus Training und Arbeit bestand, hatte ich kaum Zeit oder Kraft für soziale Kontakte. Ebenfalls rückte der Winter näher und entsprechend die Dunkelheit. Ich laufe nur sehr ungern, noch dazu allein draußen, wenn es dunkel ist. Es wurde immer schwieriger, sowohl vor als auch nach der Arbeit im Tageslicht zu laufen, weswegen ich mich dazu entschloss, auf mein Wohlbefinden zu hören und beide Trainingseinheiten ins Fitnessstudio zu verlegen.

Strich durch die Rechnung. Ende der 3. Woche bin ich leider krank geworden, so krank, dass ich für 3 Wochen pausieren musste und mich letzten Endes dazu entschied, die 75-Hard-Challenge offiziell abzubrechen. Trotz einer kurzen Teilnahme habe ich durchaus Fortschritte erkennen können. Ich habe auch etwas an Gewicht verloren.

Aber viel wichtiger für mich: Ich habe eine gute Routine entwickelt, die in meinen Alltag passt, ohne das Gefühl zu haben, sowohl den Sport als auch meine sozialen Kontakte zu vernachlässigen. Ich gehe wieder deutlich bewusster mit meiner Ernährung um und habe das Ritual, morgens mit einem Kaffee im Bett zu lesen, fest in meine Routine integriert.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zur 75 Hard Challenge

Fazit