Appetit oder Hunger So unterscheiden Sie "echten" Hunger von Appetit

So unterscheiden Sie Hunger von Appetit
Die Lust auf gutes Essen ist ein ständiger Begleiter im Alltag. Doch welches Bedürfnis steckt wirklich dahinter: echter Hunger oder nur Appetit? © Anastasiia Fedorova / Shutterstock.com

"Huuuuunger!" Oder haben Sie vielleicht nur Appetit? Wir verraten, wie Sie durch die Unterscheidung zwischen Hunger und Appetit im Alltag etliche Kalorien sparen kannst

"Du bist wirklich unausstehlich, wenn du Hunger hast!" Kommt Ihnen das bekannt vor? Doch woran liegt es, dass wir uns von einer Sekunde auf die nächste in eine nervtötende Diva verwandeln? Ist es wirklich ein knurrender Bauch oder doch nur die reine Lust auf etwas Essbares? Diese Frage sollten Sie sich jedes Mal stellen, bevor Sie zum nächsten (kalorienreichen) Snack greifen. Ihr Körper hat nämlich so einige Tricks auf Lager, die es schwer machen Hunger von Appetit zu unterscheiden.

Was ist der Unterschied zwischen Hunger und Appetit?

Das Gefühl von Hunger ist ein Überlebensinstinkt. Ihr Körper benötigt Nährstoffe und Energie um die "Maschine Mensch" am Leben zu halten.

Hunger ist also physiologischer, also körperlicher Reflex, der den notwendigen Bedarf nach Nahrung äußert. Wie sich das anfühlt, kennen wir. Der Bauch knurrt, es macht sich ein leichtes Unwohlsein breit und es ist fast egal, was Sie zu essen bekommen.

Um den Hunger zu stillen, sollten Sie auf Lebensmittel mit reichlich Proteinen und Ballaststoffen setzen. Die machen lange satt und verhindern, dass Sie sich nach kurzer Zeit schon wieder auf den nächsten Snack stürzen. Der hat nämlich meistens nichts mit Hunger zu tun, sondern ist reine Lust, besser bekannt als Appetit.

Hunger auf Kuchen – oder nur Appetit?
"Echten" Hunger auf Kuchen haben Sie in den seltensten Fällen, es ist meistens "nur" der Appetit © Daria-Minaeva / Shutterstock.com

Wem bei einem Stück Kuchen oder einen warmen Brezel das Wasser im Mund zusammenläuft, futtert diese anschließend nicht aus Hunger – sondern weil man Appetit darauf hat.

Beim Appetit handelt es sich um ein psychologisches Verlangen, das in Ihrem Kopf entsteht und danach schreit gestillt zu werden.

Es entsteht im limbischen System, also dem Teil im Gehirn, der für Emotionen verantwortlich ist. Kein Wunder, dass wir bei Kummer, Stress oder Langeweile am Liebsten den ganzen Tag Süßkram futtern würden.

Was sind die häufigsten Appetit-Auslöser?

Besonders heimtückisch sind äußere Einflüsse. Gerüche appellieren geradezu an Ihren Appetit und lassen Ihnen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Das gleiche gilt für das optische Erscheinungsbild, getreu dem Motto "Das Auge isst mit". Zumindest fördert das Auge den Appetit – ganz ohne Hunger.

Auch Gewohnheiten verstecken die psychische Lust auf Essen hinter einem scheinbaren Hungergefühl. Halb eins, klassische Zeit fürs Mittagessen und bei vielen fängt der Bauch an zu knurren. Sogar, wenn erst zwei Stunden davor gefrühstückt wurde. Klassischer Fall von routinemäßigem Appetit.

Auch das Sättigungsgefühl wird davon manipuliert. Oder wann hören Sie auf zu essen? Wenn Sie satt sind oder der Teller leer ist? Lassen Sie sich Zeit beim Essen, setzen Sie sich hin und machen Sie zwischendurch kleine Pausen. So hat Ihr Gehirn Zeit auf die gegessene Menge zu reagieren. Ein Sättigungsgefühl stellt sich nämlich erst nach 20 Minuten ein. Heißt auch: Wenn Sie bis dahin schon viel zu viel in sich hinein gestopft haben, wird Ihnen das viel zu spät bewusst.

Schlingen Sie den Burger nicht zu schnell runter – sondern geben Sie Ihrem Körper Zeit, ein Sättigungssignal zu senden © Bogdan Sonjachnyj / Shutterstock.com

Sie sehen schon, der Appetit hat es faustdick hinter den Ohren. Durch das emotional geleitete Essen sammeln sich außerdem unbemerkt unzählige Kalorien an, von denen Sie sich bestimmt einige sparen könnten. Fragt sich nur wie?

Hinterfragen Sie Ihren "Hunger"

Von unserem anglichen Hungergefühl lassen wir uns gerne an der Nase herumführen. Viel zu schnell kauen wir schon auf dem nächsten Snack herum ohne uns zu fragen, ob der nun wirklich nötig gewesen wäre. Um Kalorien zu sparen, lohnt es sich erst einmal abzuwarten und sein inneres Ich jedes Mal zu fragen "Warum möchtest jetzt wirklich essen?".

Dafür gibt es nämlich haufenweise andere Gründe und die gilt es zu enttarnen.

1. Haben Sie Hunger oder vielleicht nur Durst?

Hunger und Durst entstehen im gleichen Bereich des Gehirns und vermischen sich deshalb schnell. Um herauszufinden, welches Bedürfnis hinter dem Verlangen steckt, sollten Sie bevor Sie zu etwas Essbarem greifen erst einmal einen großen Schluck trinken und einige Minuten warten. Am besten machen Sie währenddessen etwas anderes, um sich abzulenken.

Ist der Hunger nach einer Viertelstunde immer noch da, sollten Sie Ihren Körper mit Nachschub versorgen. Greifen Sie hierbei zu guten Energielieferanten, die lange satt machen. Optimal ist eine Mischung aus ballaststoffreichen Lebensmitteln, Proteinen und viel Gemüse.

Viele verwechseln Hunger mit Durst © sebra / Shutterstock.com

Tipp: Mate-Tee hemmt den Appetit

Mate-Tee kann Ihnen (aufgrund seines Koffeingehalts) nicht nur beim Aufstehen am Morgen helfen, sondern auch beim Abnehmen: Die Bitterstoffe im Mate-Tee zügeln nämlich den Appetit. In seiner südamerikanischen Heimat kaut man sogar Mate-Blätter, um den Hunger zu unterdrücken. Mate-Tee sollten Sie sich immer aus losen Teeblättern frisch aufgießen, so können die gesunden Inhaltsstoffe optimal wirken.

2. Haben Sie wirklich Hunger oder sind Sie nur gestresst?

Unter Stress schüttet Ihr Körper die Hormone Adrenalin und Cortisol aus. Die sorgen dafür, dass Sie in den Hochleistungsmodus schalten. Dabei verlangt Ihr Körper nach mehr Energie, um weiterhin auf diesem Level zu arbeiten. Und schon ist er da: Der Drang nach etwas Süßem – denn Zucker ist im Grunde pure Energie. Leider versetzt der Zucker Ihren Körper nur schnell in ein Hoch. Schon nach kurzer Zeit fällt Ihr Insulinspiegel rapide ab und das Spiel beginnt von vorne. So schaufeln Sie sich mehr Energie auf die Hüften, als Ihr Körper am Schreibtisch verbrennen kann.

Setzen Sie lieber auf gesunde Snacks, wie Nüsse. Die enthalten nervenstärkende B-Vitamine und beugen Heißhungerattacken vor. Aber auch hier gilt: Die Menge macht’s.

3. Haben Sie wirklich Hunger oder essen Sie nur aus Langeweile?

Was hilft gegen Langeweile? Klar, essen. Wer einmal im Gedanken an etwas Essbarem festsitzt, kann dem nur schwer wieder entkommen. Mit jeder Sekunde mehr, steigt auch Ihr Appetit. Irgendwas müssen Sie ja tun. Essen ist jedoch eine ziemlich kalorienreiche Lösung, die sich dauerhaft auf den Hüften bemerkbar macht.

Um der Dauerschleife zu entkommen hilft nur eins: Ablenkung. Schnappen Sie sich ein gutes Buch, machen Sie einen Spaziergang oder gleich eine Runde Sport. Solange Ihr Gehirn mit etwas anderem beschäftigt ist, hat es gar keine Zeit sich dem Appetit geschlagen zu geben.

Essen aus Langeweile beschert Ihnen viele, völlig unnötige Kalorien
Essen aus Langeweile beschert Ihnen viele, völlig unnötige Kalorien © Jacob Lund / Shutterstock.com

Übrigens: Forscher fanden heraus, dass Heißhunger auf Süßes, Salziges & Co. so einiges über Ihren Charakter verrät. Allerdings können Ihre Gelüste auch die Ursache von Krankheiten sein. So deuten Sie Ihren Hunger richtig:

Diese Lebensmittel lindern den Appetit

Um sogenannte Appetitzügler aus der Drogerie machen Sie einen weiten Bogen, denn Ihr Geld können Sie anderweitig viel besser investieren: Zum Beispiel in natürliche Lebensmittel, die Ihren Appetit auf ganz natürliche Weise zügeln. Das Geheimnis der gesunden Appetithemmer: sie sind schwer(er) verdaulich. Ihr Magen-Darm-Trakt braucht länger, um sie zu verarbeiten, wodurch sie auch entsprechend länger gesättigt sind.

Gute Beispiele: Ballaststofflieferanten wie Äpfel oder Linsen oder hochwertiges Eiweiß aus Lachs oder Hühnchen.

Mehr Achtsamkeit beim Essen verhindert Heißhunger

Hunger von Appetit zu unterscheiden ist nicht leicht. Es ist vor allem eine Frage der Achtsamkeit – und die können Sie trainieren, indem Sie sich regelmäßig die Frage nach dem „warum“ stellen. Und Sie werden sehen, mit der Zeit bekommen Sie ein Gefühl dafür. Das beste Signal ist die Zufriedenheit, die sich nach dem Essen einstellen sollte. Denn nur wer wirklich Hunger hatte, kann mit einer leckeren Mahlzeit die Lust stillen. Um den Appetit auf einen Nachmittagssnack zu minimieren, sollten die drei Hauptmahlzeiten gut und vor allem lang anhaltend sättigen. Das funktioniert mit einer Mischung aus Proteinen, Ballaststoffen und langkettigen Kohlenhydraten.

Und wenn Sie die Lust doch überkommt, halten Sie gesunde Snacks wie zum Beispiel Gemüsesticks oder Nüsse bereit. Die verzeihen appetitgesteuertes Zuschlagen viel leichter als ein Schokoriegel.

22.01.2018| © womenshealth.de
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