Sport bei Erkältung Wie gefährlich ist es, trotz Krankheit zu trainieren?

Bei Erkältungssymptomen puscht ein Spaziergang an der frischen Luft die Gesundheit, intensives Ausdauertraining dagegen kann gefährlich sein © Alena Ozerova / Shutterstock.com

Mit kratzendem Hals und laufender Nase ins Gym oder doch besser direkt ins Bett? Bei welchen Erkältungssymptomen Sie weiter trainieren können und bei welchen Sie besser pausieren sollten

Die Nase läuft, der Kopf glüht: Für viele sind das noch keine Gründe, eine Trainingseinheit sausen zu lassen. Doch unterschätzen Sie eine Erkältung nie. Nehmen Sie die Symptome ernst. Wer glaubt, körperliche Belastung könne eine Erkältung "ausschwitzen", liegt falsch.

Im Gegenteil: Sport bei Grippe & Co. kann schnell schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben – bis hin zu einer Herzmuskelentzündung.

Aber ab welchem Erkältungs-Stadium sollte man nicht mehr trainieren? Woran erkenne ich, dass ich wieder fit genug für Sport bin? Und was muss man beachten, wenn man sich trotz Erkältung ins Fitnessstudio geht? Wir haben die Antworten parat!

In diesem Artikel:

Erkältung: Ab wann sollte ich das Training einstellen?

Da gibt es eine klare Regel, den sogenannten Neck-Check: „Treten Symptome unterhalb des Halses auf, wie Gliederschmerzen, Fieber oder geschwollene Lymphknoten, sollten Sie definitiv keinen Sport mehr machen," rät Prof. Dr. med. Bernd Wolfarth, Sport- und Präventionsmediziner der Charité Universitätsmedizin Berlin. "Bei leichten lokalen Infektionen, wie Schnupfen oder einem leichten Kratzen im Hals, können Sie weiterhin leichte körperliche Aktivitäten ausüben. Wichtig ist allerdings, immer in sich hinein zu horchen, ob der Körper die Kraft hat oder eben nicht“, so die Medizinerin. Es ist natürlich immer ratsam, die Meinung eines Arztes einzuholen. Dieser kann Ihren Erkältungsgrad genau bestimmen und anschließend abwägen, ob Sport noch drin ist oder nicht.

Sanfte Sportarten wie Yoga können auch bei Erkältungen ausgeübt werden, sie belasten das Herzkreislaufsystem nicht © Alena Ozerova / Shutterstock.com

Gibt es einen Unterschied, ob ich erkältet Cardio- oder Krafttraining mache?

„Da gibt es tatsächlich einen Unterschied – gerade bei einer leichten Erkältung kann eher noch ein leichtes Cardio- als ein Krafttraining gemacht werden. Auch eine Yoga-Einheit ist geeignet, um sich körperlich zu betätigen, ohne das Herz-Kreislaufsystem zu belasten“, sagt Dr. Wolfarth.

Bei einer schweren Erkältung sollten Sie allerdings doch klein beigeben. Der Körper muss sich auskurieren und Sie sollten sich in dieser Zeit nicht verausgaben. Fühlen Sie sich einigermaßen fit, möchten aber auf Nummer sicher gehen und lieber noch nicht die Hantel schwingen, dann heißt es warm anziehen und raus an die frische Luft. Ein Spaziergang kann bereits Wunder wirken und sich positiv auf die Genesung auswirken. Auch die UV-Strahlung der Sonne tut unserem Immunsystem gut, füllt die Vitamin D-Speicher und hebt unsere Laune.

Wie wahrscheinlich ist eine Herzbeutel- bzw. Herzmuskelerkrankung?

Das absolute Horror-Szenario: Eine Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung. Dabei kennen wir alle den Ratschlag: „Du darfst mit einer Erkältung nicht trainieren, das geht sonst aufs Herz“. Aber stimmt das? Wir geben vorerst Entwarnung – zumindest was die Folgen für das Herz angeht. Eine Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung kommt selten vor und wird erst ausgelöst, wenn Sie eine schwere Grippe verschleppen und gleichzeitig intensiv trainieren.

Trotzdem ist damit definitiv nicht zu spaßen. „Gerade in der akuten Phase einer Infektion ist das Risiko hoch, dass sich ein Virus weiter im Körper ausbreitet und zu einer Herzmuskelerkrankung entwickelt, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden kann“, sagt Dr. Wolfarth. Deshalb immer die Symptome ernst nehmen, auf den Körper hören und den Sport für einige Zeit hinten anstellen.

Kann ich eine Erkältung mit Sport verschleppen?

„Das Risiko ist eindeutig gegeben“, sagt Dr. Wolfarth, „Vor allem, wenn man die Warnsignale des Körpers ignoriert und verantwortungslos weiter trainiert.“ Auch bei einem leichten Infekt besteht durch intensiven Sport das Risiko, dass sich die Krankheit verschlechtert und verschleppt wird.

Bei geschwollenen Lymphknoten ist Sport tabu. Ab ins Bett! © Yuriy Maksymiv / Shutterstock.com

Woran erkenne ich eine verschleppte Erkältung?

Eine verschleppte Erkältung zeichnet sich durch eine ungewöhnlich lange Dauer der Symptome aus. Länger heißt: über mehrere Wochen. Allerdings hängt das stark von dem eigenen Immunsystem ab und fällt bei jedem Menschen anders aus. Folgeerkrankungen wie eine Bronchitis, Lungenentzündung oder eben eine Herzmuskelentzündung können die Folge sein.

Wann darf ich nach einer Erkältung wieder trainieren?

Wann Sie sich wieder an die Hantelbank oder das Laufband wagen können, hängt von der Intensität der Erkrankung ab. „Im Normalfall kann nach zwei beschwerdefreien Tagen wieder trainiert werden“, sagt der Experte. Also: Lieber auf Nummer sicher gehen und zwei Tage pausieren, als im Nachhinein eine oder mehrere Wochen krank im Bett liegen.

Wenn Sie Medikamente gegen Erkältung verschrieben bekommen haben, sollten Sie im Bett bleiben © Photographee.eu / Shutterstock.com

Darf ich Sport treiben, wenn ich Medikamente einnehme?

„Bei dem Thema irren sich viele Menschen: Das Problem ist nicht das Medikament, sondern die zugrunde liegende Erkrankung. Ein Antibiotikum zum Beispiel kriegt man nicht aus Spaß verschrieben, sondern weil man an einem schweren Infekt leidet.“ Also nicht das Medikament ist der Übeltäter, wegen dem wir strikte Bettruhe einhalten sollten, sondern die Erkrankung.

Wie verhalte ich mich nach einer Trainingspause?

Ob man will oder nicht – während einer Trainingspause verringert sich nun mal die sportliche Leistung. Man ist nicht mehr so fit wie zuvor und damit sollte man behutsam umgehen. „Bloß nicht sofort mit der alten Belastung trainieren!“, rät Dr. Wolfarth, „Steigt man wieder ins Training ein, sollte man sich langsam an die vorhergehende Leistung herantasten.“ Sonst riskieren Sie einen Rückfall oder kommen in einen Übertrainingszustand. Dieser Zustand tritt ein, wenn Sie nicht Ihren Kräften angepasst trainieren und sich übernehmen. Die Folge: Sie schwächen Ihr Immunsystem und fühlen sich erschlagen, müde, leiden an Appetitlosigkeit und Schlafstörungen.

Also immer schön die Balance zwischen Erholung und Training halten und Ihrem Körper Zeit zum Regenerieren geben – das gilt übrigens auch, wenn Sie nicht gerade krank waren. „Ich rate meine Patienten nach einer Trainingspause mit Cardiotraining anzufangen. Nach einigen Tagen kann anschließend ein Krafttraining mit geringer Belastung durchgeführt werden.“

Fazit: So sollten Sie mit Sport bei Erkältungen umgehen

Bei leichtem Schnupfen oder kratzendem Hals ist leichter Sport in den meisten Fällen problemlos. Leiden Sie allerdings an einer Grippe, die mit Fieber oder einem schweren Husten einhergeht, sollten Sie lieber das Bett hüten und den Körper ruhen lassen. Trotzdem rät der Sportmediziner: „Keine unnötigen Experimente machen – stellen Sie am besten auch schon bei leichten Symptomen das Training ein. So umgehen Sie das Risiko schwerwiegenderer Krankheiten.“ Unser Körper sendet uns Alarmsignale und auf die sollten wir hören – er weiß nun mal am besten, was er braucht. Und da wir nur einen Körper haben, müssen wir gut auf ihn aufpassen.

03.11.2017| © womenshealth.de
Amira Tröger Freie Autorin
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